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Argumente zum Nationalpark Steigerwald

Viele Sorgen und Ängste unbegründet

In der aktuellen Diskussion um einen möglichen Nationalpark werden eine Reihe von Sorgen und Befürchtungen geäußert, die die Verbände des Freundeskreises sehr ernst nehmen. Diese erweisen sich bei näherem Hinsehen jedoch als unbegründet oder können bei entsprechender Ausgestaltung des Nationalparks berücksichtigt werden und lassen sich so ausräumen.

Befürchtung: Im Nationalpark gibt es ein Betretungsverbot bzw. das Betreten ist nur noch auf wenigen Wegen möglich und die anderen Wege werden zurückgebaut. Die Einheimischen werden ausgesperrt.
Richtig ist aber: Weder im Nationalpark Berchtesgaden noch im Nationalpark Hainich in Thüringen gibt es Betretungsverbote oder Wegegebote. Wegegebote gibt es in Teilbereichen des Nationalparks Bayerischer Wald zum Schutz des Auerwildes, das im Steigerwald aber nicht vorkommt. Ein Wegegebot ist deshalb für einen Nationalpark Steigerwald naturschutzfachlich nicht erforderlich und soll es deshalb nicht geben. Die Besucher sollen stattdessen durch ein attraktives Angebot an Wegen, Informationen und Führungen an die Natur herangeführt werden. Nationalparke dienen neben dem Schutz der Waldnatur ausdrücklich auch der naturkundlichen Bildung und dem Naturerleben.

Befürchtung: Im Nationalpark wird die Jagd verboten. Dies führt zu starken Verbissschäden im Wald durch Rehe und zu immensen Schäden auf den umliegenden Feldern durch Wildschweine.
Richtig ist aber: Gerade in einem Nationalpark ist das ungestörte Aufwachsen der Baumarten und der übrigen Waldpflanzen erklärtes Ziel und unerlässliche Voraussetzung für einen natürliche Entwicklung. Die Regulierung des Rehwildbestandes auf ein waldverträgliches Maß ist daher eine zentrale Aufgabe in einem Nationalpark. Gleiches gilt für die Kontrolle des Wildschweinbestandes zur Verhinderung von Schäden auf benachbarten landwirtschaftlichen Flächen. So werden die Wildschweine in anderen Nationalparken, wo es erforderlich ist, streng bejagt. An der Bejagung können auch private Jäger verstärkt beteiligt werden.

Befürchtung: Im Nationalpark werden sich Schädlinge an Fichte und Rotbuche ausbreiten, die die angrenzenden Wälder bedrohen.
Richtig ist aber: Eine Gefährdung angrenzender Wälder durch Fichtenborkenkäfer infolge einer Nationalparkausweisung steht im Steigerwald völlig außer Diskussion. Nach Auskunft des Forstbetriebes Ebrach (Feb. 2009) hat sich der Anteil der Fichten seit der letzten Inventur 1998 von 9% auf etwa 5% verringert. Der Forstbetrieb tätigt hohe Einschläge bei den verbliebenen Fichten, bevor diese aufgrund des Klimawandels abzusterben drohen. Binnen weniger Jahre wird der Staatswald Steigerwald fichtenfrei sein- völlig unabhängig vom Nationalpark.

Buchenborkenkäfer und andere Buchenschädlinge stellen ebenfalls laut Experten, sowohl Käferspezialisten als auch Botanikern, keine Gefahr für den Buchenwald dar. Es gibt kein einziges Beispiel für ein bestandesweites, geschweige denn großflächiges Absterben von Buchenwäldern in Europa! Das gilt genauso für bewirtschaftete wie für unbewirtschaftete Buchenwälder (z.B. Urwälder in den Abruzzen) und auch für die seit mehr als 30 Jahren unbewirtschafteten Buchen-Naturwaldreservate in Bayern.

Die Buche wächst in Mitteleuropa seit Jahrtausenden natürlicherweise in einem Gleichgewicht mit ihren Schädlingen. Sie gilt als stabile Baumart, die genetisch sehr anpassungsfähig ist und auch an kurzfristige Ereignisse, wie Trockenstress oder Schädlingsvermehrung angepasst ist. Unsere Rotbuche kommt in Europa unter sehr unterschiedlichen Klimabedingungen vor. Im Süden behauptet sie sich an Standorten, die um bis zu 5°C wärmer sind oder deutlich geringere Niederschläge erhalten als der Obere Steigerwald. Die höchsten Wuchsleistungen der Rotbuche in Bayern wurden in den sommerwarmen und niederschlagsarmen Gäulandschaften Mainfrankens gemessen. Sie wird von Forstexperten in Zeiten des Klimawandels deshalb als gut geeignete Baumart empfohlen. Das Erkranken und Absterben einzelner Buchen ist wie bei allen anderen Baumarten nicht auszuschließen, führt aber zu keinem flächigen Absterben. Dies gilt auch für die Buchenkomplexkrankheit mit Schleimfluss, die als periodisch wiederkehrendes Ereignis für Wirtschaftswälder in der Literatur seit 1878 beschrieben wird. Nach dem Trockensommer 1976 waren auch im Oberen und Nördlichen Steigerwald zahlreiche Buchen davon befallen ohne dass es zu nennenswerten Ausfällen kam. Die Bayerischen Staatsforsten zeichneten 2007 die Rotbuche als "Mitarbeiterin des Jahres" aus, "weil sie die Zukunft unserer Wälder ist" und in Zeiten der Klimaerwärmung als besonders zukunftsfähig gewertet wird.

Befürchtung: Im Nationalpark wird die Holznutzung komplett eingestellt und dadurch die Versorgung der örtlichen Sägewerke bzw. der örtlichen Bevölkerung mit Brennholz gefährdet.
Richtig ist aber: Im Nationalpark Steigerwald sollen von den diskutierten 10.000 Hektar an Nationalparkfläche 5.000 bzw. mittel- bis langfristig 7500 Hektar aus der Nutzung genommen werden. Auf der restlichen Fläche von maximal 2.500 Hektar ist eine Holznutzung möglich, soweit sie der Nationalparkzielsetzung dient. Somit sind allenfalls 20 % des Waldes im Steigerwald - alles Staatswald - vom Nationalpark und damit von Nutzungseinschränkungen betroffen.  80 % der insgesamt 51.000 Hektar großen Wälder im Naturpark Steigerwald sind vom Nationalpark überhaupt nicht betroffen und können wie bisher bewirtschaftet werden. Eine Versorgung der Sägewerke im Steigerwald und auch der Brennholzinteressenten im bisherigen Umfang ist demnach durch den Nationalpark keinesfalls gefährdet. Viel problematischer als der Nationalpark ist für die Versorgung der heimischen Säger der riesige Buchenholzbedarf zweier neuer Großsägewerke bei Aschaffenburg mit einer Einschnittkapazität von über 500.000 Festmetern pro Jahr. In der nicht mehr bewirtschafteten Kernzone (5.000 Hektar) des geplanten Nationalparks soll dagegen pro Jahr auf die Nutzung eines Holzzuwachses von ca. 30.000 Festmetern verzichtet werden. Nach Angaben des Forstbetriebes werden derzeit 25 % des Holzeinschlags als Brennholz verwertet. Bei einem Jahreseinschlag von ca. 30.000 Festmetern sind dies rund 7500 Festmeter. Gleichzeitig werden jährlich 10.000 Festmeter Industrieholz aus dem unterfränkischen Staatswald nach Österreich exportiert, davon die Hälfte aus dem Forstbetrieb Ebrach, weit unter dem im Steigerwald den Einheimischen abverlangten Brennholzpreis.

Befürchtung: In den Nationalpark werden auch private Wälder, Gemeinde- und Körperschaftswälder miteinbezogen und deren Waldbesitzer dadurch quasi enteignet.
Richtig ist aber: Von einer Nationalparkausweisung ist nur Staatswald in einer Größenordnung von 10.000 – 11.000 Hektar betroffen. Die Nutzung in Wäldern anderer Waldbesitzer ist dadurch nicht berührt. Nutzungseinschränkungen oder gar Enteignungen finden nicht statt. Die Einbindung anderer benachbarter Waldbesitzer wie z.B. des Bürgerwaldes Gerolzhofen/Dingolshausen ist nicht notwendig.

Befürchtung: Landwirte müssen bei der Bewirtschaftung ihrer Äcker und Wiesen im Steigerwald mit höheren Auflagen rechnen.
Richtig ist aber: Der diskutierte Nationalpark betrifft nur Waldflächen. Die an den Nationalpark angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen schon heute überwiegend als Schutzzone des Naturparks Steigerwald unter Landschaftsschutz. Zwei im Wald liegende größere Wiesentäler sind seit längerem als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Für alle anderen forstwirtschaftlich und landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb des Nationalparks wird es deshalb keine weiteren Einschränkungen geben.

Befürchtung: Die örtliche Bevölkerung wird bei Entscheidungen über die Ausweisung und die Ausgestaltung des Nationalparks nicht eingebunden.
Richtig ist aber: Die Verbände des Freundeskreises informieren im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen, Vorträge und Waldführungen über den Nationalpark Steigerwald. Um die Interessen und Wünsche der örtlichen Bevölkerung einzubinden soll, wie auch in anderen Nationalparken, ein Kommunaler Nationalparkausschuss eingerichtet werden.

Befürchtung: Ein Nationalpark wird für die Region keine wirtschaftlichen Vorteile bringen. Es ist lediglich mit ein paar Übernachtungsgäste mehr zu rechnen. Daran verdienen allenfalls die Gaststätten.
Richtig ist aber: Erfahrungen aus anderen deutschen und europäischen Nationalparken belegen, dass mit dem Qualitätssiegel „Nationalpark“ eine deutliche Zunahme bei den Touristenzahlen verbunden ist. So wuchsen die Besucherzahlen im Nationalpark Hainich in Thüringen von 50.000 im Eröffnungsjahr 1999 auf über 400.000 im Jahr 2007. Auch im Bayerischen Wald ist der Nationalpark der zentrale Werbeträger. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Würzburg zur Bedeutung des Nationalparks Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor belegt, dass der Nationalpark als wahres Jobwunder fungiert. Als eine der größten Attraktivitäten Bayerns zieht der Nationalpark 760.000 Besuchern pro Jahr an. Jeder zweite kommt extra wegen der Wildnis. Diese lassen soviel Geld in der Region, dass es 939 Vollzeitbeschäftigten entspricht. Mit einem Nationalpark rückt die Region auch überregional ins Blickfeld.

2009 wurden die Ergebnisse einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz über den regionalökonomischen Effekt des Tourismus in allen deutschen Nationalparken veröffentlicht. Sie belegen, dass der mit Nationalparken verbundene Tourismus einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region leisten kann. Pro Jahr besuchen ca. 51 Mio Besucher die deutschen Nationalparks und bewirken damit bundesweit einen Bruttoumsatz von 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht mehr als 69 000 Arbeitsplätzen, die vom Nationalpark - Tourismus abhängen.

Dabei ist die gute wirtschaftliche Entwicklung beim Tourismus nicht das einzige Standbein. Auch andere Wirtschaftszweige können vom Nationalpark profitieren, z.B. unternehmensnahe Dienstleistungen, gezielte Innovations- und Kooperationsprojekte im produzierenden Gewerbe oder entsprechende Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Ein florierender Tourismus führt zu einer Erhöhung des Auftragsvolumens im regionalen Handwerk, Baugewerbe und im Handels- und Dienstleistungssektor. Außerdem ist ein Nationalpark eine ideale Förderkulisse, dem damit Fördermittel aus EU-Strukturfonds und Förderprogrammen (z.B. Life-Natur-Programm), aus Bundesprogrammen (Bundesprogramm „Naturschutzprojekte von gesamtstaatlicher Bedeutung“) und aus Landesmitteln offen stehen. Es stehen somit auch Fördermittel für Infrastruktureinrichtungen in die Region (z.B. für Informationshäuser, Ausbau der Wander-, Rad-, Reit-, Kutschenwege, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und von Gehegezone(n)). Außerdem sind die Nationalparke Deutschlands in den jeweiligen Regionen zu wichtigen Arbeitgebern für verschiedene Berufssparten mit unterschiedlich hohen Qualifikationsanforderungen geworden.

Befürchtung: Durch den Verzicht auf Holznutzung wird die Wirkung der Wälder im Nationalpark für den Klimaschutz beeinträchtigt, da nur durch die Nutzung des Holzes Kohlenstoff aus der Atmosphäre dauerhaft gebunden werden kann.
Richtig ist aber: Urwälder speichern große Mengen an Kohlenstoff, wie Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena belegen. Selbst in reifen Urwäldern besteht wie bislang angenommen kein allgemeines Fließgleichgewicht zwischen Speicherung und Freisetzung der Kohlenstoffmenge, sondern im Boden wird darüber hinaus weiterhin Kohlenstoff in erheblichen Mengen aufgenommen und gespeichert. Dieser Prozess erreicht keinen Sättigungszustand. Knapp 60 % der im Ökosystem Wald gebundenen Kohlenstoffmenge ist ohnehin im Auflagehumus und Mineralboden und in Wurzeln enthalten. In „jungen Urwäldern“ wie in einem auszuweisenden Nationalpark wird besonders viel Kohlenstoff gespeichert, da sich die lebende Biomasse der bisherigen Wirtschaftswälder durch Ausreifen der Bäume verdoppeln bis verdreifachen würde. Die im Wald verbleibenden Holzmengen würden die Kohlenstoffspeicherung im Boden entscheidend verstärken. Ein Buchennationalpark wie der Steigerwald wäre eine echte Kohlenstoffsenke, deren Bedeutung gerade vor dem Hintergrund des durch den Klimawandel ausgelösten unmittelbar bevorstehenden Zerfalls der Fichtenforste nicht hoch genug zu schätzen ist. Im Übrigen ist Kohlenstoff im abgestorbenen Holz im Wald etwa genau so lange festgelegt wie in Holzprodukten.

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