HomeImpressum + DatenschutzKontakt

Geschichte des Naturschutzes im Steigerwald 2007 bis 2015- Landkreis Bamberg zeigt Flagge -

2007: die Diskussion um einen Nationalpark im Steigerwald beginnt. Ziel ist es, die Buchenwälder ihrer Wertigkeit gemäß zu schützen. Auslöser ist die Einstufung des Nordsteigerwaldes als "welterbewürdig". Die UNESCO setzt für diesen hohen Titel ein flächiges Schutzgebiet voraus.

Staatlich subventionierte Desinformation statt staatlicher Aufklärung:
Die Bayerische Staatsregierung und der Anti-Nationalparkverein „Unser Steigerwald“ mit Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) an der Spitze blockieren eine sachliche Informierung der Bevölkerung über die Auswirkungen von Nationalparks auf eine Region. Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald" veranstalten Infoabende und verbreiten dort Fehlinformationen, wie die Gerüchte, dass Privatwälder betroffen seien, die Buchenwälder flächige zusammenbrechen würden oder Nationalparks ihren Regionen keinerlei Vorteile, aber jede Menge Nachteile bringen. Sie verhindern immer wieder aufs Neue eine Untersuchung über die Auswirkungen von Nationalparks auf ihre Region: Auswirkungen auf Tourismus, Arbeitsplätze, Holzströme und die Regionalentwicklung etc. Für diese Untersuchung standen zu Beginn sogar schon Gelder vom Umweltministerium zur Verfügung. Der Freundeskeis Nationalpark Steigerwald, der Bürgerverein "Verein Nationalpark Nordsteigerwald", SPD, Grüne und zahlreiche Bürger fordern endlich eine neutrale Potentialanalyse ALLER dem Steigerwald zur Verfügung stehenden Optionen. Die Auswirkungen (positive wie negative) aller Optionen sollen auf den Tisch und diskutiert werden.

Ein Nationalpark ist ein Qualitätsgebiet, das nicht nebenan kopiert werden kann. Er ist ein so genanntes "Alleinstellungsmerkmal" und bietet Wettbewerbsvorteile vor anderen Regionen. Diese Option darf nicht einfach unter den Tisch fallen, sondern muss mit geprüft werden.


2010: das Landratsamt Bamberg lotet die Potentiale des Steigerwalds aus und steuert Richtung Weltnaturerbe: Auf Kreistagsbeschluss des Landtags Bamberg von 2010 hin, wird vom Landratsamt Bamberg begonnen auszuloten, wie die Potentiale des Steigerwalds gefördert und die Voraussetzungen für die Bewerbung als Weltnaturerbe erfüllt werden können.

2010: In Ebrach wird ein „Haus der Buche“ geplant. Es soll Verwaltungsgebäude für ein flächiges Schutzgebiet werden und zugleich öffentliches Informationsgebäude mit einer Ausstellung über wilde Buchenwälder. Gelder in Millionenhöhe sind vom Umweltministerium in Aussicht gestellt. Vertreter des Ministeriums besichtigen mögliche Standorte.

2011: die Marktgemeinderat Ebrach (Landkreis Bamberg) beantragt die Ausweisung eines größeren Naturschutzgebietes, um die Buchenwälder zu schützen und die Voraussetzungen für die Bewerbung um den UNESCO-Weltnaturerbestatus zu schaffen. Die Anträge liegen seitdem bei der Regierung Oberfranken – verschollen.

2011: das Bayerische Kabinett beschließt, im zu Ebrach benachbarten Ort Handthal (Regierungsbezirk Unterfranken) ein Forstzentrum - „Zentrum-Nachhaltigkeit-Wald“ - zu errichten. Dieses Zentrum wird später in „Steigerwald-Zentrum“ umbenannt. Sowohl Satzung als auch die dort gezeigte Ausstellungen sind ausschließlich auf Waldnutzung ausgerichtet. Die Themen Naturwald und großflächige Schutzgebiete bleiben gänzlich außen vor. Das Landwirtschaftsministerium stellte Gelder bereit in Höhe von 3 Millionen Euro. 2014 wurde das Steigerwald-Zentrum eingeweiht. Geschäftsführer des Trägervereins ist der stellvertretende Vorsitzende des Anti-Nationalpark –Vereins und ehemaliger Bürgermeister von Rauhenebrach, Oskar Ebert. Von den Bayerischen Staatsforsten und der Forstverwaltung werden jährliche laufende Kosten in Höhe von 350 000 € übernommen.
In Folge hieß es, zwei Zentren seien Steuergeldverschwendung – das „Haus der Buche“ ist somit erfolgreich verhindert.

2011: Die Gemeinde Ebrach bekommt einen Baumwipfelpfad. Nachdem der Privatinvestor abgesprungen ist, wohl weil er ohne Nationalpark zu wenige Besucher erwartet (er baut sofort im Nationalpark Schwarzwald einen Baumwipfelpfad), übernimmt der Bayerische Staat die Kosten in Höhe von 8 Millionen Euro. Die Einweihung des Pfades soll am 19. März 2016 stattfinden.

Mindestens 10 Millionen Euro Steuergelder fließen in die Steigerwald-Region, um mit einem Forstzentrum Werbung für naturnahe Waldwirtschaft zu machen und mit einem Baumwipfelpfad Touristen anzulocken. Diese Investitionen der Bayerischen Staatsregierung sollen offensichtlich einen Nationalpark verhindern. Die alten Buchen haben keinerlei Nutzen davon und Besucher, die durch ein Schutzgebiet mit dicken Buchen und ohne Holzrückegassen wandern möchten, werden enttäuscht.


Nachdem die Diskussion um einen Nationalpark sich aufgrund verbreiteter Fehlinformationen seitens des Anti-Nationalparkvereins und mangelnder Aufklärung seitens der Staatsregierung weiter im Kreis dreht, beschließt der damalige Bamberger Landrat Dr. Günther Denzler zu handeln.


Im April 2014: die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Bamberg weist nach Bundesnaturschutzgesetzt einen Geschützten Landschaftbestandteil (GLB) von 775 Hektar aus, der die beiden ökologisch wertvollen Naturwaldreservate im Ebracher Forst flächig verbindet. Die Bayerische Staatsregierung, das Umweltministerium, das Landwirtschaft-/Forstsministerium und der Ministerpräsident sind informiert. Von forstlicher Seite und von Seiten des Anti-Nationalparkvereins schlagen nach der Bekanntmachung der GLB-Pläne zur Stellungnahme die Wellen hoch.

Karte

Verordnung, 3,4MB

BN und WWF kämpfen um dicke Bäume von nationaler Bedeutung: 
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz kritisieren der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und der WWF Deutschland, dass die Staatsregierung und die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) das Waldschutzgebiet bei Ebrach zu Fall bringen will, um gezielt an alte Baumriesen die Kettensäge zu legen.

Die aktuellen Ergebnisse eines Kartierprojektes belegen die nationale Bedeutung des Geschützten Landschaftsbestandteils. Seit etwa einem Jahr werden in diesem Schutzgebiet dicke, alte Bäume mit GPS-Geräten erfasst. Dabei konnten bislang auf etwa einem Drittel des Schutzgebietes knapp 3.000 Starkbäume festgestellt werden, überwiegend dicke Buchen. „Die bayernweit herausragende Häufung großer, alter Buchen im Kerngebiet des diskutierten Nationalparks Steigerwald unterstreicht die sehr gute Eignung der dortigen Staatswälder für einen Nationalpark“, so Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz im WWF Deutschland. „Wir haben den gezielten Einschlag von Starkbäumen im Staatsforst im Steigerwald schon mehrfach dokumentiert und fordern die Staatsregierung auf, das Schutzgebiet zu erhalten, um damit die dicken und alten Bäume zu schützen“, so Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN.

Pressemitteilung

Vortrag

2015, "Jahr des Waldnaturschutzes in Bayern", ausgerufen vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:


Im April 2015: die Bayerischen Staatsforsten reichen Normenkontrollklage gegen die Ausweisung des GLBs ein.

Am24. April 2015: der Bayerische Landtag beschließt eine Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes: die Zuständigkeit für die Ausweisungen von Geschützten Landschaftsbestandteilen über 10 Hektar wird an die Höhere Naturschutzbehörde der Bezirksregierung verlagert. Ein Landrat ist dem Ministerium gegenüber nicht weisungsgebunden – aber ein Regierungspräsident.

Im Mai 2015: das Umweltministerium macht Druck auf die Regierung von Oberfranken, dass diese den GLB  aufheben soll. Die Regierung von Oberfranken begründet ihr Aufhebungsbestreben folgendermaßen: der GLB sei von seiner Umgebung nicht abgrenzbar – mehr Argumente waren offensichtlich nach ausgiebigen naturschutzfachlichen und rechtlichen Argumenten nicht zu finden.

Pressemitteilung vom 15.6.15

Kurzgutachten zur Abgrenzung des GLBs von Dr. Georg Sperber

Karte zur Grenzziehung


15.6.2015: Der Gemeinderat von Ebrach steht hinter dem GLB. Der Gemeinderat hat dies in seiner Sitzung mit 11:1 Stimmen beschlossen.


Anfang August 2015 legt der Naturschutzbeirat der Regierung von Oberfranken mit 6:3 Stimmen sein Veto gegen die Schutzgebietsaufhebung ein.


Bis zur Frist 31. Juli gehen bei der Regierung von Oberfranken 65 Stellungnahmen zur geplanten Aufhebung des GLBs ein: 11 Stellungnahmen gegen das Schutzgebiet und 53 Stellungnahmen für dessen Beibehaltung. 1 Stellungnahme wurde unter "es müssen noch Sachverahlte geklärt werden" abgelegt. 80 Prozent der Stellungnehmer sprachen sich für das Schutzgebiet aus.

Stellungnahmen gegen das Schutzgebiet erfolgten von 5 Gemeinden, deren Bürgermeister sich im Anti-Nationalparkverein „Unser Steigerwald“ engagieren, dem Anti-Nationalparkverein „Verein Unser Steigerwald“, dem Bauernverband sowie einigen Holz- und Forstverbänden bzw. – behörden.


12. August 2015: die Bekanntgabe der Aufhebung des GLBs durch die Regierung von Oberfranken erfolgt : kurz vor der Sommerpause verkündet die Regierung von Oberfranken auf Druck des Ministeriums hin in einer Pressemitteilung: „Das Verfahren zur Aufhebung der Verordnung über den geschützten Landschaftsbestandteil "Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst" ist inhaltlich abgeschlossen. Die Aufhebungsverordnung der Regierung von Oberfranken wird am 25.08.2015 in deren Amtsblatt erscheinen und am 01.09.2015 in Kraft treten.“
In der kurzen Zeitspanne seit Fristende am 31.Juli waren noch keine Antworten auf die Stellungnahmen bei den Absendern eingegangen.


25.8.15 BN UND LBV KLAGEN FÜR DEN SCHUTZ DER BUCHENWÄLDER
Der BUND Naturschutz in Bayern und der Landesbund für Vogelschutz haben vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Klage eingereicht, um das auf Bestreben des Ministeriums offiziell aufgehobene Waldschutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ vor einem geplanten Holzeinschlag zu schützen. Die Aufhebung träte am 1. September in Kraft.

Pressemitteilung


31.8.15 ERSTER TEILERFOLG FÜR NATURSCHUTZ IM „HOHEN BUCHENER WALD IM EBRACHER FORST“ - BÄUME IM EHEMALIGEN SCHUTZGEBIET DÜRFEN VORERST NICHT GEFÄLLT WERDEN
Das Eilverfahren zum Schutz der Waldbestände im ehemaligen Schutzgebiet im Ebracher Forst von BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) war der erste Etappensieg und verschafft den Bäumen eine Atempause bis Ende des Jahres. Wie aus einer Erklärung der Landesanwaltschaft Bayern hervorgeht, bleiben die Bäume im Waldschutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ jetzt zumindest bis zur Entscheidung des Eilverfahrens erst mal vom Fällen verschont. Im Eilantrag beantragen BN und LBV, dass die Verordnung zur Aufhebung des Schutzgebietes - sozusagen der „Persilschein“ zum weiteren Holzeinschlag - bis zur Entscheidung über die eigentliche Klage, die Normenkontrollklage, außer Vollzug gesetzt wird. Durch die Normenkontrollklage, die ebenfalls von BN und LBV eingereicht wurde, soll die Ungültigkeit der Aufhebung bewiesen werden

Pressemitteilung

 

 

Informationsbüro

Freundeskreis Nationalpark Steigerwald
Rathausplatz 4
96157 Ebrach
Tel.: 09553/ 98 90 42

E-mail: info(at)freundeskreis-nationalpark-steigerwald.de

Öffnungszeiten: Di - Do von 9.00 - 16.00 Uhr

Wegen Außenterminen kann es sein, dass das Büro vorübergehend geschlossen ist.

Ja, ich möchte den Freundeskreis Pro Nationalpark unterstützen!

Webseite des BUND Naturschutz in Bayern

Offizielle Webseite Umweltministerium

Verschiedene Verbände sind im Freundeskreis Pro Nationalpark aktiv

Wir sind für Sie da. Hier finden Sie Ansprechpartner für Ihre Fragen.