Befürchtung: Im Nationalpark werden sich Schädlinge an Fichte und Rotbuche ausbreiten, die die angrenzenden Wälder bedrohen.
Richtig ist aber: Eine Gefährdung angrenzender Wälder durch Fichtenborkenkäfer infolge einer Nationalparkausweisung steht im Steigerwald völlig außer Diskussion. Nach Auskunft des Forstbetriebes Ebrach (Feb. 2009) hat sich der Anteil der Fichten seit der letzten Inventur 1998 von 9% auf etwa 5% verringert. Der Forstbetrieb tätigt hohe Einschläge bei den verbliebenen Fichten, bevor diese aufgrund des Klimawandels abzusterben drohen. Binnen weniger Jahre wird der Staatswald Steigerwald fichtenfrei sein- völlig unabhängig vom Nationalpark.
Buchenborkenkäfer und andere Buchenschädlinge stellen ebenfalls laut Experten, sowohl Käferspezialisten als auch Botanikern, keine Gefahr für den Buchenwald dar. Es gibt kein einziges Beispiel für ein bestandesweites, geschweige denn großflächiges Absterben von Buchenwäldern in Europa! Das gilt genauso für bewirtschaftete wie für unbewirtschaftete Buchenwälder (z.B. Urwälder in den Abruzzen) und auch für die seit mehr als 30 Jahren unbewirtschafteten Buchen-Naturwaldreservate in Bayern.
Die Buche wächst in Mitteleuropa seit Jahrtausenden natürlicherweise in einem Gleichgewicht mit ihren Schädlingen. Sie gilt als stabile Baumart, die genetisch sehr anpassungsfähig ist und auch an kurzfristige Ereignisse, wie Trockenstress oder Schädlingsvermehrung angepasst ist. Unsere Rotbuche kommt in Europa unter sehr unterschiedlichen Klimabedingungen vor. Im Süden behauptet sie sich an Standorten, die um bis zu 5°C wärmer sind oder deutlich geringere Niederschläge erhalten als der Obere Steigerwald. Die höchsten Wuchsleistungen der Rotbuche in Bayern wurden in den sommerwarmen und niederschlagsarmen Gäulandschaften Mainfrankens gemessen. Sie wird von Forstexperten in Zeiten des Klimawandels deshalb als gut geeignete Baumart empfohlen. Das Erkranken und Absterben einzelner Buchen ist wie bei allen anderen Baumarten nicht auszuschließen, führt aber zu keinem flächigen Absterben. Dies gilt auch für die Buchenkomplexkrankheit mit Schleimfluss, die als periodisch wiederkehrendes Ereignis für Wirtschaftswälder in der Literatur seit 1878 beschrieben wird. Nach dem Trockensommer 1976 waren auch im Oberen und Nördlichen Steigerwald zahlreiche Buchen davon befallen ohne dass es zu nennenswerten Ausfällen kam. Die Bayerischen Staatsforsten zeichneten 2007 die Rotbuche als "Mitarbeiterin des Jahres" aus, "weil sie die Zukunft unserer Wälder ist" und in Zeiten der Klimaerwärmung als besonders zukunftsfähig gewertet wird.