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Pro Nationalpark Steigerwald

Nationalparke in Deutschland: unersätzliches Naturerbe

Deutschland ist zu Recht stolz auf seine kulturellen Werte, auf die unterschiedlichen Traditionen und Eigenarten seiner Regionen. Das Naturerbe zu bewahren, spielt bislang aber nur eine untergeordnete Rolle. Nationalparke können diese Aufgabe erfüllen und einzigartige Naturlandschaften als unser natürliches Erbe schützen. Nationalparke sichern Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere, sie sind unverzichtbar für die biologische Vielfalt und den Artenreichtum unserer Erde. Gleichzeitig schaffen die Nationalparke einmalige Naturerlebnisräume, ermöglichen vielfältige Naturerfahrung und können für Umweltbildung und Forschung genutzt werden. Nationalparke erhöhen die Attraktivität ganzer Regionen und tragen mit zu deren wirtschaftlicher Entwicklung bei. Nationalparke sind Anziehungspunkte eines blühenden naturnahen und sanften Tourismus.

In Deutschland gibt es zur Zeit 16 Nationalparke (0,6 % der Landesfläche). In Bayern bedecken die Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden nur etwa 0,5 % der Landesfläche. Die Holznutzung steht in Waldnationalparken nicht mehr im Vordergrund, sondern muss auf der Hälfte der Fläche eingestellt werden, mittel- bis langfristig auf mindestens 75 % der Fläche.

Die Bundesregierung hat in ihrer Biodiversitätsstrategie vorgegeben, dass bis 2020  10 % des öffentlichen Waldes wegen seiner Vorbildfunktion der natürlichen Entwicklung überlassen werden soll. Durch die Ausweisung eines Nationalparks Steigerwald bietet sich Bayern die Chance die großen bestehenden Defizite im Waldnaturschutz abzubauen, weil bislang nur knapp
3 % Staatswald aus der Nutzung genommen wurden.

Warum soll der nördliche Steigerwald Nationalpark werden?

Die Buche hat ein relativ kleines, auf Mitteleuropa konzentriertes Verbreitungsgebiet. Bayern trägt daher große Verantwortung für den Erhalt der Buchenwälder und deren Tier- und Pflanzenarten.

Naturerbe bewahren: Das weltweite Verbreitungsgebiet der Rotbuche ist auf Mitteleuropa konzentriert (s. Abbildung), 25 % davon liegen in Deutschland. Deutschland und vor allem dem Flächenland Bayern kommt damit eine herausragende Verantwortung für den Schutz der Buchenwälder, vor allem aber der alten Buchenwälder und ihrer Bewohner zu. In ganz Deutschland sind aber nur 41.500 Hektar an Buchenwälder ohne Nutzung, also streng geschützt. Dabei bedeckten Buchenwälder ursprünglich 85 % der Fläche Bayerns. Am verbliebenen Wald (36 % der Landesfläche) ist die Buche nur noch mit 12,4 % beteiligt.

In keinem anderen Bundesland gibt es prozentual weniger Buchen, die 80 Zentimenter dick werden dürfen, als in Bayern. (Abbildung: Anteil Starkbuchen über 80 cm Brusthöhendurchmesser am gesamten Buchenvorrat, in Prozent)

Damit sind die Buchen in Bayern auf einen kümmerlichen Rest von 4,5 % ihres natürlichen Verbreitungsgebietes zurückgedrängt worden. Durch die Bundeswaldinventur ist belegt, dass in Bayern unter allen Bundesländern die Buchen am wenigsten dick werden dürfen (siehe Abbildung). Nur 1,3 % der Buchen sind hier über 80 cm dick. Deshalb sind viele Bewohner alter Buchenwälder mit dicken Bäumen wie Fledermäuse, Spechte, Totholzkäfer oder Holzpilze in Bayern auch stark gefährdet.

Mittelspecht

Die herausragende ökologische Wertigkeit des nördlichen Steigerwaldes wird durch eine Machbarkeitsstudie des Bundesamts für Naturschutz unterstrichen, nach der deutsche Buchenwaldgebiete als Weltnaturerbe bei der UNESCO nominiert werden sollten. Dabei erreicht der Steigerwald die fünftbeste Plazierung unter 24 deutschen Buchenwaldgebieten. Untersuchungen in Naturwaldreservaten des Steigerwaldes belegen den immensen Artenreichtum dieser nicht mehr bewirtschafteten alten Buchenwälder.

Juchtenkäfer

Naturwald besser als Wirtschaftswald: Die Laubmischwälder des Steigerwaldes sind insgesamt noch in einem naturnahen Zustand. Forschungsergebnisse aus Naturwaldreservaten, also aus unbewirtschafteten Wäldern, belegen jedoch, dass diese im Vergleich zum Wirtschaftswald eine markant höhere Vielfalt an gefährdeten waldtypischen Arten besitzen.

Naturschutzgebiet Kleinengelein

Naturwaldreservate als Keimzellen für den „Urwald von morgen“: In den seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschafteten Naturwaldreservaten wie Waldhaus oder Brunnstube bei Ebrach oder den kaum bewirtschafteten Waldgebieten (z.B. Kleinengelein oder Böhlgrund) im Nordteil des diskutierten Nationalparks haben einzelne Urwaldreliktarten wie der Eremit und hochbedrohte Arten wie der Halsbandschnäpper überlebt.

Halsbandschnäpper

Waldtypische Arten unter den über 50 Vogelarten wie Mittelspecht, Grauspecht, Trauer- und Halsbandschnäpper, Wespenbussard, Sperlings- und Raufußkauz kommen hier in hoher Siedlungsdichte vor. Bei den Säugetieren ist neben den 15 nachgewiesenen Waldfledermaus-Arten die vom Bund Naturschutz erfolgreich eingebürgerte Wildkatze hervorzuheben. Für die Artenvielfalt von holzbewohnenden Insekten und Pilzen sind diese Reservate Referenzflächen von nationaler Bedeutung. Diese Wälder können als Keimzellen fungieren, von denen aus sich die usprüngliche Flora und Fauna wieder in einen künftigen Nationalpark ausbreiten kann.

Wildkatze

Weitestgehend unzerschnittene Waldgebiete: Im Gegensatz zu vielen anderen großen Wald- bzw. Schutzgebieten, die durch Verkehrswege und Infrastruktureinrichtungen zerschnitten sind, sind hier derartige Störungen kaum zu finden. Es handelt sich hier um ein geschlossenes, nahezu siedlungsfreies und von öffentlichen Verkehrseinrichtungen wenig zerschnittenes Waldgebiet, in dem es lediglich einige wenig befahrene Kreisstraßen gibt. Nach einer aktuellen Studie der Universität Stuttgart ist der Steigerwald von den 16 bayerischen Naturparken der am wenigsten zerschnittene. Und bei den 96 bayerischen Naturräumen rangiert er hinter fünf Alpengebieten an sechster Stelle. 

Waldbesitzkarte

Ausreichend Staatswald: Der künftige ca. 10.000 – 11.000 Hektar große Nationalpark soll ausschließlich aus Flächen der insgesamt 18.000 Hektar umfassenden Staatswälder gebildet werden. Der Bund Naturschutz bringt als Einstandsgeschenk seinen Anteil am Naturschutzgebiet Spitalgrund mit einem urigen, seit langem unbewirtschafteten Laubwald ein.

Landschaft von oben

Abgrenzung des Nationalparks: Im Mittelpunkt der Nationalpark-Überlegungen stehen zwei ausgedehnte Laubwaldkomplexe mit zusammen rund 11.000 Hektar, die ausschließlich aus Staatswald bestehen. Der südliche Teil mit 4.700 Hektar gehört überwiegend zum Landkreis Bamberg, der nördliche mit 6.200 Hektar zu den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt. Der Nordsteigerwald könnte noch bei der Anmeldung deutscher Buchengebiete als „Weltnaturerbe“ berücksichtigt werden, wenn er als Nationalpark ausgewiesen würde. Der Status als Großschutzgebiet mit weitgehender Einstellung der Nutzungen und einer eigenen Verwaltung ist Vorbedingung für eine Berücksichtigung als Weltnaturerbe-Anwärter. Diese Voraussetzung erfüllt der Steigerwald derzeit noch nicht.

Fazit: Der nördliche Steigerwald ist hinsichtlich der naturschutzfachlichen und strukturellen Gegebenheiten für einen Nationalpark sehr gut geeignet. Ein Nationalpark könnte als Naturerbe von Weltrang das Kulturerbe der nahe gelegenen Städte Bamberg und Würzburg hervorragend ergänzen und für wirtschaftliche Impulse in der ländlichen Region sorgen.

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