Große Löcher im Kronendach machen die Wälder schwach
Vor Beginn der neuen Einschlagssaison warnen BUND Naturschutz (BN) und Freundeskreis Nationalpark Steigerwald vor zu starken Eingriffen im Staatswald in den älteren Wäldern. Die Ökosystem-Leistungen - wie Wasserspeicherung, Landschaftskühlung und Kohlenstoffsenke - müssen hier stärker berücksichtigt werden und Vorrang vor der Holznutzung erhalten. Der BN fordert deshalb eine schonendere Forstwirtschaft in Waldgebieten über 100 Jahren mit reduzierten Einschlägen.
Ralf Straußberger, Waldreferent des BUND Naturschutz: „Mit den starken Eingriffen gerade in die Buchenwälder, wird das flächige Absterben der älteren Buchen geradezu provoziert. Wir halten diesen „Kampf“ gegen die Buche für falsch“. Dass die Staatsregierung den Nationalpark Steigerwald bislang ablehnt, rächt sich nun bitter und geht den mittelalten und alten Buchenwäldern im Steigerwald an die Substanz. Viele Menschen im Steigerwald, die den Wald seit ihrer Kindheit lieben und schätzen, sind entsetzt über die forstlichen Eingriffe.
Eingriffe und maschinelle Holzernte schwächen den Wald massiv
Viele Bäume des Waldes kämpfen bei zunehmender Hitze und Dürre ums Überleben. Buchenwälder sind natürlicherweise geschlossen, kühl und feucht. Vor allem ältere Buchen reagieren empfindlich auf Freistellung oder zu große Lücken im schützenden Kronendach. Rheinland-Pfalz nahm deshalb 2020 staatliche Buchenwälder über
100 Jahre aus der Nutzung. Andere Forsten fällen nach dem „Lübecker Modell“ nur wenige Einzelbäume oder lassen sensible Altwälder zeitweise nutzungsfrei. Im Forstbetrieb Ebrach werden die dicken Bäume weiterhin im großen Maß gefällt. In den letzten Jahren wurden gezielt Waldflächen über 140 Jahre eingeschlagen. Stellenweise werden große Lücken geschlagen, damit lichtliebende Baumarten, wie Elsbeere und Eiche schneller wachsen. Plötzlich freistehende Buchen werden durch Sonnenbrand und Trockenheit teils bis zum Absterben geschädigt, auch andere Baumarten leiden. Ein „Waldumbau“ ist hier wegen der zahlreichen Mischbaumarten unnötig. Die forstlichen Eingriffe können eine Abwärtsspirale in Gang setzen und die Vitalität des Waldes zunehmend schwächen. Sie als „nötige Pflege, Waldumbau und Arbeitsschutzmaßnahmen“ darzustellen ist irreführend. Im Nationalpark könnte der Wald geschlossen bleiben. Die maschinelle Holzernte mit tonnenschweren Maschinen schädigt den Wasserspeicher auf 15-20 % des Waldbodens. Selbst Quellgebiete werden stellenweise befahren. Das dichte Wegenetz führt zu schnellem Wasserabfluss aus dem Wald in die offene Landschaft und in die Orte. Erst jüngst wurden bei Handthal neue Rückewege in steiles Gelände geschnitten.
Forderungen aus München schaden der Region
Da die bayerische Staatsregierung dem Steigerwald einen Schutz als Nationalpark weiterhin verweigert, muss der Forstbetrieb Ebrach jährlich große Mengen an Holz liefern und dafür auch viele alte Bäume im Nordsteigerwald einschlagen. Ohne diese Vorgabe könnten geschlossene alte Wälder die Landschaft besser kühlen, seltenen Arten qualitativ hochwertigere Lebensräume bieten und die Attraktivität der Region erhöhen. Die Region hätte mit dem Nationalpark den Gewinn: ihr Wald, ihr Wasser und ihr Lokalklima wären besser geschützt und gleichzeitig wäre die Holzversorgung gesichert. Dazu käme eine millionenhohe Förderung, wie sie die beiden Nationalparkregionen „Bayerischer Wald“ und „Berchtesgaden“ im Osten und Süden Bayerns seit Jahrzehnten genießen. Nordbayern geht hier leer aus.






